Montag, 24. November 2008
Den Zufall bejahen - Notizen zu der Probenarbeit für ALICE
Von Alexander Kerlin

Wie zusammen schreiben? Wie kann ein Theatertext entstehen, an dessen Anfang nicht die Idee eines einzelnen, vermeintlich souveränen Autor-Schöpfers steht? Wie schreibt sich ein Stück jenseits der Studierstuben einsamer „Genies“? Und, nicht ganz unwichtig, unter welchen Umständen wird es gut?

ALICE // … und verdau dich selbst Sehnsucht, du! // Eine Expedition ist ein Stück, in dem sich deutlich vernehmbar ein doppeltes Drama abspielt. Jenes nämlich, das es erzählt und jenes, das es hervorgebracht hat - ein siebenwöchiger Probenprozess, an dessen Anfang die im institutionellen Theaterbetrieb noch immer unübliche Geste stand, zu sagen: Nichts wissen wir über das Stück, das wir aufführen werden, wir kennen noch keine Zeile Text, keine Figur, keine Geschichte. Der Probenprozess ist in erster Linie eine Expedition, ein Abenteuer, das darin besteht, sich den 150 Jahre alten, schonungslosen Phantasmen des viktorianischen Logikers Lewis Carroll gemeinsam auszusetzen. Und dieses Ausgesetztsein selbst ist der erste dramatische Konflikt des neuen Stückes. Denn Carrolls messerscharfe Vivisektionen aller Sinn gebenden und ordnenden Instanzen im Leben, der Sprachen der Logik, der Religion, der Liebe, des Menschseins und der Wissenschaften zeigen uns bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts, was die Sprachkritik erst ein halbes Jahrhundert später zu ahnen beginnt. Es gibt nichts, aus dem wir uns und die Welt mit Hilfe der Sprache ursprünglich ableiten könnten, das heißt es gibt nichts, was uns über unsere Begrenztheit hinwegtrösten könnte, indem es mit Sicherheit der Sprache äußerlich wäre.

Entlang der Lektüre der beiden Bücher Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln ist parallel zur szenischen Arbeit ein eigenständiges Stück entstanden, das schließlich mehr geworden ist als nur das Dokument einer intensiven Probenarbeit. Aus dem neuen Text ist eine ungewöhnliche Vielstimmigkeit zu vernehmen, ein weites Spektrum an Tönen, Stilen und Formen, das sich der Heterogenität der Gruppe und der Offenheit der Arbeitsweise verdankt: Improvisationen der Schauspieler, verschiedene gemeinschaftliche oder individuelle Schreibtechniken, gemeinsame Lektüren ausgewählter Texte und das Einflechten philosophischer und literarischer Fundstücke.

„Einen guten Grund gibt es nur als kontingenten.“ Was der Philosoph Gilles Deleuze damit meint, könnte man für kollektive Schreibprozesse, in denen man den Zufall zu seinem wichtigsten Verbündeten machen muss (schon allein, um sich vor seiner Umtriebigkeit zu schützen: dieses oder jenes Buch wird aus dem Regal gezogen, dieser oder jener Traum geträumt und eingebracht, dieser oder jener Gegenstand findet seinen Weg auf die Probebühne), vielleicht folgendermaßen übersetzen: Der Probenprozess hätte auch zu einem völlig anderen Ergebnis führen können. Und dennoch scheint in dem vorliegenden Stück eine Notwendigkeit zu liegen, die sagt, dies und nichts anderes passiert, wenn diese Personen entlang dieses literarischen Stoffes hier und jetzt miteinander einen Theatertext entwickeln. Was das fertige Stück letztendlich zusammenhält, sind die Leben der an seiner Entstehung Beteiligten. Nicht zu ersetzen ist genau diese eine singuläre Zusammensetzung der Gruppe und diese eine Folge von Ereignissen, die es hervorgebracht hat. Worauf das Stück hingegen nicht verweist, ist ein Ursprung im Sinne eines souveränen Schöpfers, dessen vermeintlicher Klarsinn die Textlandschaft bis in die feinsten Verästelungen überblicken könnte. Das Stück ließe sich vielleicht besser beschreiben als Oberflächenstruktur, in der sich die Spuren seiner zugleich zufälligen wie notwendigen Entstehungsgeschichte abdrücken.

„Den Zufall bejahen“ heißt nicht anything goes, es meint nicht den totalen Anarchismus. Die Formulierung beinhaltet vielmehr eine ethische Forderung: Die Kontingenz nicht restlos beherrschen oder kalkulieren zu wollen im Namen z.B. der einzig richtigen Lösung, der Wahrheit oder der angestrebten „Aussage des Stücks“. Denn nichts ist unsicherer als die Wahrheit im Denken. Mit Mallarmé gesprochen: „Jeder Gedanke wagt einen Würfelwurf.“

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Dienstag, 30. September 2008
1 Kor 13,12
Als ich ein Kind war, / redete ich wie ein Kind, / dachte wie ein Kind / und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, / legte ich ab, was Kind an mir war.
Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse, / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, / dann aber werde ich durch und durch erkennen, / so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.

Lied Vom Kindsein
– Peter Handke


Als das Kind Kind war,
ging es mit hängenden Armen,
wollte der Bach sei ein Fluß,
der Fluß sei ein Strom,
und diese Pfütze das Meer.

Als das Kind Kind war,
wußte es nicht, daß es Kind war,
alles war ihm beseelt,
und alle Seelen waren eins.

Als das Kind Kind war,
hatte es von nichts eine Meinung,
hatte keine Gewohnheit,
saß oft im Schneidersitz,
lief aus dem Stand,
hatte einen Wirbel im Haar
und machte kein Gesicht beim fotografieren.

Als das Kind Kind war,
war es die Zeit der folgenden Fragen:
Warum bin ich ich und warum nicht du?
Warum bin ich hier und warum nicht dort?
Wann begann die Zeit und wo endet der Raum?
Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?
Ist was ich sehe und höre und rieche
nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt?
Gibt es tatsächlich das Böse und Leute,
die wirklich die Bösen sind?
Wie kann es sein, daß ich, der ich bin,
bevor ich wurde, nicht war,
und daß einmal ich, der ich bin,
nicht mehr der ich bin, sein werde?

Als das Kind Kind war,
würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis,
und am gedünsteten Blumenkohl.
und ißt jetzt das alles und nicht nur zur Not.

Als das Kind Kind war,
erwachte es einmal in einem fremden Bett
und jetzt immer wieder,
erschienen ihm viele Menschen schön
und jetzt nur noch im Glücksfall,
stellte es sich klar ein Paradies vor
und kann es jetzt höchstens ahnen,
konnte es sich Nichts nicht denken
und schaudert heute davor.

Als das Kind Kind war,
spielte es mit Begeisterung
und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals, nur noch,
wenn diese Sache seine Arbeit ist.

Als das Kind Kind war,
genügten ihm als Nahrung Apfel, Brot,
und so ist es immer noch.

Als das Kind Kind war,
fielen ihm die Beeren wie nur Beeren in die Hand
und jetzt immer noch,
machten ihm die frischen Walnüsse eine rauhe Zunge
und jetzt immer noch,
hatte es auf jedem Berg
die Sehnsucht nach dem immer höheren Berg,
und in jeden Stadt
die Sehnsucht nach der noch größeren Stadt,
und das ist immer noch so,
griff im Wipfel eines Baums nach dem Kirschen in einemHochgefühl
wie auch heute noch,
eine Scheu vor jedem Fremden
und hat sie immer noch,
wartete es auf den ersten Schnee,
und wartet so immer noch.

Als das Kind Kind war,
warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum,
und sie zittert da heute noch.

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Hamletmaschine von Müller
Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung BLABLA, im Rücken die Ruinen von Europa. Die Glocken läuteten das Staatsbegräbnis ein, Mörder und Witwe ein Paar, im Stechschritt hinter dem Sarg des Hohen Kadavers die Räte, heulend in schlecht bezahlter Trauer WER IST DIE LEICH IM LEICHENWAGEN / UM WEN HÖRT MAN VIEL SCHREIN UND KLAGEN / DIE LEICH IST EINES GROSSEN / GEBERS VON ALMOSEN das Spalier der Bevölkerung, Werk seiner Staatskunst ER WAR EIN MANN NAHM ALLES NUR VON ALLEN. Ich stoppte den Leichenzug, stemmte den Sarg mit dem Schwert auf, dabei brach die Klinge, mit dem stumpfen Rest gelang es, und verteilte den toten Erzeuger FLEISCH UND FLEISCH GESELLT SICH GERN an die umstehenden Elendsgestalten. Die Trauer ging in Jubel über, der Jubel in Schmatzen, auf dem leeren Sarg besprang der Mörder die Witwe SOLL ICH DIR HINAUFHELFEN ONKEL MACH DIE BEINE AUF MAMA. Ich legte mich auf den Boden und hörte die Welt ihre Runden drehn im Gleichschritt der Verwesung.

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king lear

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Freitag, 26. September 2008
Alice Wiki eröffnet
http://sputnic.tv/wacko/Alice

Zur bearbeitung der Texte freigegeben!
nils

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Zweites Kapitel Der Tränenpfuhl.
ALICE
Verquerer und verquerer! Jetzt werde ich auseinander geschoben wie das längste Teleskop das es je gab! Lebt wohl, Füße! O meine armen Füßchen!
wer euch wohl nun Schuhe und Strümpfe anziehen wird, meine Besten? denn ich kann es unmöglich tun! Ich bin viel zu weit ab, um mich mit euch abzugeben! ihr müßt sehen, wie ihr fertig werdet. Aber gut muß ich zu ihnen sein sonst gehen sie vielleicht nicht, wohin ich gehen möchte. Laß mal sehen: ich will ihnen jeden Weihnachten ein Paar neue Stiefel schenken. Sie müssen per Fracht gehen wie drollig es sein wird, seinen eignen Füßen ein Geschenk zu schicken! und wie komisch die Adresse aussehen wird! -- An Alice's rechten Fuß, Wohlgeboren, Fußteppich, nicht weit vom Kamin, mit Alice's Grüßen.Oh, was für Unsinn ich schwatze!

Alice stößt mit dem Kopf an die Decke und ist nun 9 Meter groß - nimmt sich den Schlüssel vom Tisch und rennt zur Gartentür.Wieder beginnt sie zu weinen als sie bemerkt, dass sie zu groß ist durch die Türe in den Garten zu gelangen.

ALICE
Du solltest dich schämen, solch großes Mädchen, noch so zu weinen! Höre gleich auf, sage ich dir!

Das Kaninchen erscheint

HASE
Oh! die Herzogin, die Herzogin! die wird mal außer sich sein, wenn ich sie warten lasse!

ALICE
Bitte, lieber Herr.

Das Kaninchen erschreckt sich so das es Fächer und Handschuh verliert und davonläuft.

ALICE
Wie seltsam heute Alles ist! Und gestern war es ganz wie gewöhnlich. Ob ich wohl in der Nacht umgewechselt worden bin? Laß mal sehen: war ich dieselbe, als ich heute früh aufstand? Es kommt mir fast vor, als hätte ich wie eine Veränderung in mir gefühlt. Aber wenn ich nicht dieselbe bin, dann ist die Frage: wer in aller Welt bin ich? Ja, das ist das Rätsel! Ich bin sicherlich nicht Ida,denn die trägt lange Locken, und mein Haar ist gar nicht lockig; und bestimmt kann ich nicht Clara sein, denn ich weiß eine ganze Menge, und sie, oh! sie weiß so sehr wenig! Außerdem, sie ist sie selbst, und ich bin ich, und, o wie Confus es Alles ist! Ich will versuchen, ob ich noch Alles weiß, was ich sonst wußte. Laß sehen: vier mal fünf ist zwölf, und vier mal sechs ist dreizehn, und vier mal sieben ist -- o weh! auf die Art komme ich nie bis zwanzig! Aber, das Einmaleins hat nicht so viel zu sagen; ich will Geographie nehmen. London ist die Hauptstadt von Paris, und Paris ist die Hauptstadt von Rom, und Rom -- nein, ich wette, das ist Alles falsch! Ich muß in Clara verwandelt sein! Ich will doch einmal sehen, ob ich sagen kann:

Bei einem Wirte, wunderwild,
Da war ich jüngst zu Gaste,
Ein Bienennest das war sein Schild
In einer braunen Tatze.

Es war der grimme Zottelbär,
Bei dem ich eingekehret;
Mit süßem Honigseim hat er
Sich selber wohl genähret!

Das kommt mir gar nicht richtig vor, Ich muß doch Clara sein, und ich werde in dem alten kleinen Hause wohnen müssen, und beinah keine Spielsachen zum Spielen haben, und ach! so viel zu lernen! Nein, das
habe ich mir vorgenommen: wenn ich Clara bin, will ich hier unten bleiben! Es soll ihnen nichts helfen, wenn sie die Köpfe zusammenstecken und herunter rufen: Komm wieder herauf, Herzchen!Ich will nur hinauf sehen und sprechen: wer bin ich denn? Sagt mir das erst, und dann, wenn ich die Person gern bin, will ich kommen; wo nicht, so will ich hier unten bleiben, bis ich jemand Anderes bin. -- Aber o weh!
ich wünschte, sie sähen herunter! Es ist mir so langweilig, hier ganz allein zu sein!

Alice beginnt zu schrumpfen

ALICE
Wie habe ich das nur angefangen? Ich muß wieder klein geworden sein.Das war glücklich davon gekommen! und nun in den Garten! -


Alice schrumpft weiter

ALICE
es ist schlimmer als je,denn so klein bin ich noch nie gewesen, nein, nie! Und ich sage, es ist zu schlecht, ist es!

Alice fällt in ihr Tränenmeer

ALICE
Ich wünschte, ich hätte nicht so sehr geweint! Jetzt werde ich wohl dafür bestraft werden und in meinen eigenen Tränen ertrinken! Das wird sonderbar sein, das! Aber Alles ist heut so sonderbar.

Eine Maus erscheint im Wasser

ALICe
Würde es wohl etwas nützen,diese Maus anzureden? Alles ist so wunderlich hier unten, daß ich glauben möchte, sie kann sprechen; auf jeden Fall habe ich das Fragen umsonst. - O Maus, weißt du, wie man aus diesem Pfuhle gelangt, ich bin von dem Herumschwimmen ganz müde, o Maus!
ALICE
Vielleicht versteht sie nicht Englisch,es ist vielleicht eine französische Maus, die mit Wilhelm dem Eroberer herüber gekommen ist =Où est ma chatte?=

Die Maus bekommt angst

ALICE
O, ich bitte um Verzeihung! Ich hatte ganz vergessen, daß Sie Katzen nicht mögen.

MAUS
Katzen nicht mögen! Würdest du Katzen mögen, wenn du in meiner Stelle wärest?«
ALICE Nein, wohl kaum - sei nicht mehr böse darüber. Und doch möchte ich dir unsere Katze Dinah zeigen können. Ich glaube, du würdest Geschmack für Katzen bekommen, wenn du sie nur sehen könntest. Sie ist ein so liebes ruhiges Thier,sie sitzt und spinnt so nett beim Feuer, leckt sich die Pfoten und wäscht sich das Schnäuzchen -- und sie ist so hübsch weich auf dem Schoß zu haben -- und sie ist solch famoser Mäusefänger -- oh, ich bitte um Verzeihung! Wir wollen nicht mehr davon reden, wenn du es nicht gern hast.

MAUS
Wir, wirklich! Als ob ich je über solchen Gegenstand spräche! Unsere Familie hat von jeher Katzen verabscheut: häßliche, niedrige, gemeine Dinger!
Laß mich ihren Namen nicht wieder hören!«

ALICE
Nein, gewiß nicht! Magst du -- magst du gern Hunde?Es wohnt ein so reizender kleiner Hund nicht weit von unserm Hause. Den möchte ich dir zeigen können! Ein kleiner klaräugiger Wachtelhund, weißt du, ach, mit solch krausem braunen Fell! Und er apportirt Alles, was man ihm hinwirft, und er kann aufrecht stehen und um sein Essen betteln, und so viel Kunststücke -- ich kann mich kaum auf die Hälfte besinnen -- und er gehört einem Amtmann, weißt du, und er sagt, er ist so nützlich, er ist ihm hundert Pfund wert! Er sagt, er vertilgt alle Ratten und -- oh wie dumm! - Ich fürchte, ich habe ihr wieder weh gethan! - Liebes Mäuschen! Komm wieder zurück, und wir wollen weder von Katzen noch von Hunden reden, wenn du sie nicht gern hast!

MAUs
Komm mit mir an's Ufer, da will ich dir meine Geschichte erzählen; dann wirst du begreifen, warum ich Katzen und Hunde nicht leiden kann.

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Kapitel 7 Die tolle Teegesellschaft.
Vor dem Haus. Ein gedeckter Teetisch. Faselhase, Hutmacher und schlafendes Murmeltier.

Alice (denkt):

Sehr unbequem für das Murmeltier, nun, da es schläft, wird es sich wohl nichts daraus machen.

Sie kommt näher.

Alle außer Alice: Kein Platz! Kein Platz!
Alice: Ueber und über genug Platz!
Faselhase: Ist dir etwas Wein gefällig?
Alice: Ich sehe keinen Wein.
Faselhase: Es ist keiner hier.
Alice: Dann war es gar nicht höflich von dir, mir welchen anzubieten.
Faselhase: Es war gar nicht höflich von dir, dich ungebeten herzusetzen.
Alice: Ich wußte nicht, das es dein Tisch ist; er ist für viel mehr als drei gedeckt.
Hutmacher: Dein Haar muß verschnitten werden.
Alice: Du solltest keine persönlichen Bemerkungen machen, es ist sehr grob.
Hutmacher: Warum ist ein Rabe wie ein Reitersmann?
Alice: Ei, jetzt wird es Spaß geben. Ich bin so froh, daß sie anfangen Rätsel aufzugeben — Ich glaube, das kann ich raten.
Faselhase: Meinst du, daß du die Antwort dazu finden kannst?
Alice: Ja, natürlich.
Hase: Dann solltest du sagen, was du meinst.
Alice: Das tue ich ja, wenigstens — wenigstens meine ich, was ich sage — und das ist dasselbe.
Hutmacher: Nicht im Geringsten dasselbe! Wie, du könntest eben so gut behaupten, daß »ich sehe, was ich esse« dasselbe ist wie »ich esse, was ich sehe.«
Faselhase: Du könntest auch behaupten, ich mag, was ich kriege« sei dasselbe wie »ich kriege, was ich mag!«
Murmeltier (im Schlaf): Du könntest eben so gut behaupten, »ich atme, wenn ich schlafe« sei dasselbe wie »ich schlafe, wenn ich atme!«
Hutmacher: Es ist dasselbe bei dir.

Schweigen. Alice durchdenkt, was sie je von Raben und Reitersmännern gehört hatte, und das war nicht viel.

Hutmacher: Den wievielsten haben wir heute?«

Holt seine Uhr aus der Tasche, sieht sie unruhig an, schüttelte sie hin und her und hält sie an's Ohr.

Alice Den vierten.
Hutmacher: (zum Hasen) Zwei Tage falsch! Ich sagte dir ja, daß Butter das Werk verderben würde.
Faselhase: Es war die beste Butter.
Hutmacher: Ja, aber es muß etwas Krume mit hinein geraten sein, du hättest sie nicht mit dem Brotmesser hinein tun sollen.

Faselhase nahm die Uhr und betrachtete sie trübselig; dann tunkt er sie in seine Tasse Tee und betrachtete sie wieder.

Faselhase: Es war wirklich die beste Butter.
Alice: Was für eine komische Uhr! Sie zeigt das Datum, und nicht wie viel Uhr es ist!
Faselhase: Warum sollte sie? Zeigt deine Uhr, welches Jahr es ist?
Alice: Natürlich nicht. Weil es so lange hintereinander dasselbe Jahr bleibt.
Hutmacher: Und so ist es gerade mit meiner.

Alice ganz verwirrt. Die Erklärung des Hutmachers schien ihr gar keinen Sinn zu haben, und doch waren es deutlich gesprochne Worte.

Alice: Ich verstehe dich nicht ganz.
Hutmacher: Das Murmeltier schläft schon wieder.

Gießt ihm etwas heißen Tee auf die Nase.

Murmeltier (mit geschlossenen Augen): Freilich, freilich, das wollte ich eben auch bemerken.
Hutmacher: Hast du das Rätsel schon geraten?
Alice: Nein, ich gebe es auf, was ist die Antwort?
Hutmacher: Davon habe ich nicht die leiseste Ahnung.
Faselhase: Ich auch nicht.
Alice: (seufzt verstimmt) Ich dächte, ihr könntet die Zeit besser anwenden als mit Rätseln, die keine Auflösung haben.
Hutmacher: Wenn du die Zeit so gut kenntest wie ich, würdest du nicht davon reden, wie wir sie anwenden, sondern wie sie uns anwendet.
Alice: Ich weiß nicht, was du meinst.
Hutmacher: Natürlich kannst du das nicht wissen! Du hast wahrscheinlich nie mit der Zeit gesprochen.
Alice: Ich glaube kaum, aber Mama sagte gestern, ich sollte zu meiner kleinen Schwester gehen und ihr die Zeit vertreiben.
Hutmacher: So? das wird sie dir schön übel genommen haben; sie läßt sich nicht gern vertreiben. Aber wenn man gut mit ihr steht, so tut sie Einem beinah Alles zu Gefallen mit der Uhr. Zum Beispiel, nimm den Fall, es wäre 9 Uhr Morgens, gerade Zeit, deine Stunden anzufangen, du brauchtest der Zeit nur den kleinsten Wink zu geben, schnurr! geht die Uhr herum, ehe du dich's versiehst! halb Zwei, Essenszeit!
Faselhase: Ich wünschte, das wäre es!
Alice: Das wäre wirklich famos, aber dann würde ich nicht hungrig genug sein, nicht wahr?
Hutmacher: Zuerst vielleicht nicht, aber es würde so lange halb Zwei bleiben, wie du wolltest.
Alice: So macht ihr es wohl hie

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Kapitel 1 Hinunter in den Kaninchenbau
O schöner, goldner Nachmittag,
Wo Flut und Himmel lacht!
Von schwacher Kindeshand bewegt,
Die Ruder plätschern sacht --
Das Steuer hält ein Kindesarm
Und lenket unsre Fahrt.

So fuhren wir gemächlich hin
Auf träumerischen Wellen --
Doch ach! die drei vereinten sich,
Den müden Freund zu quälen --
Sie trieben ihn, sie drängten ihn,
Ein Mährchen zu erzählen.

Die erste gab's Commandowort;
O schnell, o fange an!
Und mach' es so, die Zweite bat,
Daß man recht lachen kann!
Die Dritte ließ ihm keine Ruh
Mit wie? und wo? und wann?

Jetzt lauschen sie vom Zauberland
Der wunderbaren Mähr';
Mit Thier und Vogel sind sie bald
In freundlichem Verkehr,
Und fühlen sich so heimisch dort,
Als ob es Wahrheit wär'. --

Und jedes Mal, wenn Fantasie
Dem Freunde ganz versiegt: --
»Das Uebrige ein ander Mal!«
O nein, sie leiden's nicht.
»»Es ist ja schon ein ander Mal!«« --
So rufen sie vergnügt.

So ward vom schönen Wunderland
Das Märchen ausgedacht,
So langsam Stück für Stück erzählt,
Beplaudert und belacht,
Und froh, als es zu Ende war,
Der Weg nach Haus gemacht.

Alice! o nimm es freundlich an!
Leg' es mit güt'ger Hand
Zum Strauße, den Erinnerung
Aus Kindheitsträumen band,
Gleich welken Blüthen, mitgebracht
Aus liebem, fernen Land.




Erstes Kapitel

Hinunter in den Kaninchenbau.


Außen Garten. Alice fing an sich zu langweilen; sie saß schon lange bei ihrer
Schwester am Ufer und hatte nichts zu tun. Das Buch, das ihre Schwester las, gefiel ihr nicht; denn es waren weder Bilder noch Gespräche darin.

ALICE
Und was nützen Bücher,ohne Bilder und Gespräche? Ob es der Mühe wert ist aufzustehen und Gänseblümchen zu pflücken, um eine Kette damit zu machen?

Ein weißes Kaninchen mit roten Augen rennt vorbei.

HASE
O weh, o weh! Ich werde zu spät kommen!

Das Kaninchen zieht seine Uhr aus der Westentasche und läuft davon - Alice ihm hinterher und fällt in den Kaninchenbau.

ALICE
Nun! Nach einem solchen Fall werde ich mir nichts daraus machen, wenn ich die Treppe hinunter stolpere. Wie mutig sie mich zu Haus finden werden! Ich würde nicht viel Redens machen, wenn ich selbst von der Dachspitze hinunter fiele! Wie viele Meilen ich wohl jetzt gefallen bin! Ich muß ungefähr am Mittelpunkt der Erde sein. Laß sehen: das wären achthundert und fünfzig Meilen, glaube ich ----ja, das ist ungefähr die Entfernung; aber zu welchem Länge- und Breitengrade ich wohl gekommen sein mag? Ob ich wohl ganz durch die Erde fallen werde! Wie komisch das sein wird, bei den Leuten heraus zu kommen, die auf dem Kopfe gehen! die Antipathien, glaube ich. Aber natürlich werde ich sie fragen müssen, wie das Land heißt. Bitte,liebe Dame, ist dies Neu-Seeland oder Australien? Aber sie werden mich für ein unwissendes kleines Mädchen halten, wenn ich frage! Nein, es geht nicht an zu fragen; vielleicht sehe ich es irgendwo angeschrieben. - Dinah wird mich gewiß heut Abend suchen! Ich hoffe, sie werden ihren Napf Milch zur Teestunde nicht vergessen. Dinah! Miets! ich wollte, du wärest hier unten bei mir. Mir ist nur bange, es gibt keine Mäuse in der Luft; aber du könntest einen Spatzen fangen; die wird es hier in der Luft wohl geben, glaubst du nicht? Und Katzen fressen doch Spatzen? Fressen Katzen gern Spatzen? Fressen Katzen gern Spatzen? Fressen Spatzen gern Katzen?Nun, Dinah, sage die Wahrheit, hast du je einen Spatzen gefressen?

Alice landet hart auf dem Boden und sieht gerade noch das weiße Kaninchen entlang laufen und verschwinden.

HASE
O, Ohren und Schnurrbart, wie spät es ist!

Alice entdeckt 2 verschlossene Türen, versucht sie zu öffnen - entdeckt einen Tisch auf dem ein ein winziges goldenes
Schlüsselchen lag.

ALICE
Entweder sind die Schlösser zu groß, oder der Schlüssel ist zu klein; er paßte zu keiner einzigen.

Alice entdeckt einen niedrigen Vorhang, den sie vorher nicht bemerkt hatte, und dahinter eine Tür, ungefähr funfzehn Zoll hoch. Sie steckt das goldene Schlüsselchen in's Schlüsselloch, und zu ihrer großen Freude paßt es.

ALICE
Wenn auch mein Kopf hindurch ginge, was würde es nützen ohne die Schultern. O, ich möchte mich zusammenschieben können wie ein Teleskop! Das geht gewiß, wenn ich nur wüßte, wie man es anfängt.

Alice findet ein Fläschchen

ALICE
Das hat gewiß vorhin nicht hier stand,

FLASCHE
Trinke mich! Trinke mich!

ALICE
Nein, ich werde erst nachsehen, ob ein Totenkopf darauf ist oder nicht.

Alice trinkt aus der Flasche

ALICE
Was für ein komisches Gefühl! Ich gehe gewiß zu wie ein Teleskop.

Alice schrumpft auf 10 Zoll


ALICE
Es könnte damit aufhören, daß ich ganz ausginge, wie ein Licht. Mich wundert, wie ich dann aussähe?

Alice bemerkt das sie den Schlüssel auf dem Tisch vergessen hat und beginnt zu weinen, da sie nun trotz ihrer größe nicht durch die kleine Tür kommt.

ALICE
Still, was nützt es so zu weinen! Ich rate dir, den Augenblick aufzuhören! Aber jetzt hilft es zu nichts, zu tun als ob ich zwei verschiedene Personen wäre. Ach!es ist ja kaum genug von mir übrig zu einer anständigen Person!

Alice entdeckt einen Kuchen unter dem Tisch

KUCHEN
Iß mich!

ALICE
Gut, ich will ihn essen und wenn ich davon größer werde, so kann ich den Schlüssel erreichen; wenn ich aber kleiner davon werde, so kann ich unter der Tür durchkriechen. So, auf jeden Fall, gelange ich
in den Garten, -- es ist mir einerlei wie. sie ißt Aufwärts oder abwärts?

Alice bemerkt das sich nichts an ihr verändert.

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Heinrich Lübke spricht
http://www.heinrichluebke.de/wasser.mp3
zum Thema Wasser:

"... Herr Professor Hess sich auch von seinem Thema abwandte und uns über das Wesen und das, den Sinn der Elemente, über die alter-, über die mittelalterliche über die heutige Dichtung über das Wasser sprach, ist nicht nur etwas, was man nicht tun sollte, sondern es ist etwas, was man tun sollte. Dadurch - [Beifall] - dadurch wird solch ein Vortrag erst interessant; und ich glaube, es ist auch besser für das Publikum, wenn ein solch umfassender Vortrag einige Punkte des nachfolgenden Redners freimacht, und nicht vorge.., weil er nicht vorgetragen zu werden braucht, sondern auch den Redner entlastet, in einer Situation, wo er das gerne sieht.
Sie haben in einer wundervollen Art die gesamte Notwendigkeit und den Sinn der Pflege des Wassers auch unter die kulturellen Gesichtspunkte gestellt. Sie haben damit angefangen, sie haben damit aufgehört. Man sollte wirklich denken, wenn wir heute ein gebildetes Europäertum wären, dann würden wir schon aus diesem Grunde der engen Verbindung alles dessen, was mit Wasser zu tun hat, gleichzeitig mit unserer Kultur, auch mit unserer, nicht auch, sondern mit unserer Dichtkunst ist das hier sehr klar in Erscheinung getreten. Dann würden wir schon aus dem Grunde vermeiden, dass wir hier Wasserläufe haben, die man als Wasserläufe nicht mehr ansprechen kann, sondern die als Kloaken nur bezeichnen kann."




http://www.heinrichluebke.de/buga.mp3

1965 sprach Heinrich Lübke die Eröffnungsrede bei der Gartenschau in Essen:

"Es ist fast, als wenn das ver.., das äh, das verlorene Paradies zurückgekommen wäre. Wenn man dazu die Musik hat, dieses Orchester, städtische Orchester, dem ich bei dieser Gelegenheit ein herzliches Dankes- und Anerkennungswort sagen möchte, die hier im Grünen sitzen - [Beifall] - wie in einem Paradiese, in dem in jedem Moment, der äh ... - komm ich nich auf den Namen des Zwer.., des Gottes, der äh ... - in dem jeden Moment der ... na! Steht ja doch: die Ouvertüre zur? [Zurufe: Oberon!] - Oberon, der Oberon in jedem Moment erscheinen kann. [Räuspern]
Das ist wie ein Märchen, und dieses Märchen wollen wir ausnutzen. Wir wollen uns freuen, an diesem Tage hier gewesen zu sein, wo wir, wenn das Wetter nich ganz ausreicht, die Gartenschau im Saale miterleben."



http://www.heinrichluebke.de/kanada01.mp3
Heinrich Lübke besuchte in Kanada 1967 nicht nur die Expo in Montreal, sondern machte eine große Rundreise, die ihn offenbar nachhaltig beeindruckt hat:

Meine Damen und Herren, die Mitteilungen, die ich Ihnen mache, sind verhältnismäßig kurz, aber es ist ... Ich rate jedem, wenn er die Möglichkeit hat, nach Kanada zu gehen, da wird er eine, ein Wunderland sehen. Diese.., man muss natürlich diese Weiten auch überflogen haben. Wenn wir von Montreal nach, nach, äh, Calgary wollten, das ist die Hauptstadt von der Provinz Alberta, das dauerte schon sechs Stunden mit, mit großen Flugzeugen. So ist es also in, äh, in, äh, in Kanada nicht sehr leicht, sich zu bewegen und überall alles zu sehen, aber wer diese Möglichkeiten hat, wie wir sie von der Kanadischen Regierung gestellt bekamen, hat es eben. Und wir können ihnen dafür sehr dankbar sein. Wir sind mit allen in guter Einigkeit abgekommen, und ich glaube, dass die Auf.., die Auffassungen der Deutschen Regierung in der, in der Kanadischen Regierung durchaus ein volles, volle Übereinstimmung be.., aufweisen.

Ich wurde auch von der Kanadischen Regierung nach Ottawa eingeladen zur Hauptstadt, zu Besprechungen. Ich habe gefragt wegen meines Interesses, hab ich gesagt, ich wäre dort in meiner Jugend schon längst mit meinem Freunde Karl May spazieren gegangen. Dafür hatten sie volles Verständnis.

Die Rückreise war sehr anstrengend. Wir fuhr.., wir flogen 19 Uhr 30 gestern Abend ab und waren 9 Uhr 30 hier. Das wür.., würde bedeuten, dass wir also fünf Stunden länger unterwegs waren, als notwendig war, denn das, diese fünf Stunden ist eben die Umdrehung der, der Erde schuldig, verantwortlich dafür.



http://www.heinrichluebke.de/expo.html
Anfang Juni 1967 besuchte Heinrich Lübke die Weltausstellung in Montreal, Kanada.
Von der Architektur des deutschen Pavillons war Heinrich Lübke besonders angetan:

"Dieser, was der Architekt dort geschaffen hat, durch dieses große Riesenzelt, das hat den Vor..., kolossalen Vorteil, dass an soundsovielen Eingängen die Leute hineinkönnen - dort war gar keine Drängerei, weil das alles rundlief; und bei manchen, z.B. bei der russischen Ausstellung, war praktisch nur ein Eingang und da ging noch eine Treppe dahinterher, wo man also genau beobachtet werden konnte."


Texte und mp3 auf http://www.heinrichluebke.de

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Herzkönigin
"Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München mit zehn Minuten ohne daß Sie am Flughafen noch einchecken müssen dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am ... am Hauptbahnhof in München starten Sie ihren Flug zehn Minuten - schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an wenn Sie in Heathrow in London oder sonstwo meine s Charles de Gaulle in äh Frankreich oder in äh in ... in Rom wenn Sie sich mal die Entfernungen ansehen, wenn Sie Frankfurt sich ansehen dann werden Sie feststellen daß zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen um ihr Gate zu finden - Wenn Sie vom Flug - äh vom Hauptbahnhof starten Sie steigen in den Hauptbahnhof ein Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in an den Flughafen Franz-Josef Strauß dann starten Sie praktisch hier am Hauptbahnhof in München - das bedeutet natürlich daß der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Bayern an die bayerischen Städte heranwächst weil das ja klar ist weil aus dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zusammenlaufen."

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